Feeds:
Artikel
Kommentare

Ein Dankesschreiben

An das Büro für Konsularangelegenheiten
3~5 Stock, 2-2 Chi-Nan-Straße, Abschnitt 1, Taipei , Taiwan, ROC

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute habe ich von Ihnen mein Residenzvisum als Ehegatte einer taiwanischen Staatangehörigen (auch bekannt als: meine Frau) in Empfang nehmen dürfen. Für das Gelingen dieses außerordentlich schwierigen Verwaltungsakts gebührt Ihnen mein vollster Respekt und Anerkennung.

Ich habe Verständnis dafür, dass die Ausstellung eines Visums äußerste Konzentration erfordert und deswegen telefonische oder sogar persönliche Fragen von Ihnen entweder gar nicht oder schlichtweg falsch beantwortet werden. Auch die Tatsache, dass man auf seine Fragen verschiedene und teilweise sich direkt widersprechende Antworten von verschiedenen Personen bekommt, ist Ihnen nicht vorzuwerfen. Eine richtige Antwort war bei dieser Methode nämlich sowieso nicht dabei.

Ihre Taktik, die Visumsbeantragung einem für den Antragsteller mörderischen Dokumentenbeanschaffungsprozess voranzustellen und diesen Prozess durch das geschickte Streuen von Falschinformationen noch weiter zu komplizieren ist wirklich meisterhaft. Am Ende spart Ihnen das eine Menge Arbeit, denn mit dieser Taktik kommen wirklich nur die ganz Harten in Ihren Garten.

Eine Überprüfung der Dokumente erübrigt sich, da niemand so blöd sein und sich die Mühe machen würde so viele Dokumente auf einmal zu fälschen. Die dazu benötigte Stempelfarbe wäre viel zu teuer!

Die Sonderregel, dass alle Dokumente nicht älter als 3 Monate sein dürfen macht auch den größten Penner zum Sprinter. Mein besonderer Dank geht an diesem Punkt auch an alle weiteren, dem Visumsausstellungsprozess beteiligten Stellen, u.a. dem Haushaltsregistrierungsbüro in Taichung, dem Ren Ai Krankenhaus in Taipei, dem Deutschen Institut in Taipei, sowie dem Bundesjustizministerium mit Zweitsitz in Bonn, die es sich in hervorragender Übereinstimmung nicht nehmen ließen, alle beantragten Dokumente zwei Mal ausstellen lassen zu müssen, da die Erstversion jedes Mal fehlerhaft war.

Dass am Ende die bei Ihnen vorgelegten Dokumente auch nicht vollständig den in den Vorschriften geforderten Angaben entsprachen, sei Ihnen hiermit herzlichst verziehen. Es hätte sowieso keiner von Ihnen gemerkt, geschweige denn verstanden, um was es geht. Sie können auch beruhigt sein, dass ich ihr kleines Geheimnis, wie sie mit herkömmlichen Kopiergeräten einen vollen Arbeitsplatz finanzieren, nicht preisgeben werde. Es wäre ja schade, wenn Sie zukünftig auf einen Ihrer hochqualifizierten und in allen, außer natürlich in denen für Ihre Arbeit wichtigen, Belangen kompetenten Mitarbeiter verzichten müssten.

Ich fühle mich geehrt meinen Visumsantrag bei Ihnen als Musterbeispiel einer Top-Regierungsbehörde bearbeitet haben zu lassen müssen. Ihr exzessiv zur Schau getragener Bürokratismus bei gleichzeitig intensiv vorhandener Inkompetenz gepaart mit permanent existierender Arroganz bei der Bearbeitung von Anträgen ausländischer Mitbürger verlangt nach einer besonderen öffentlichen Erwähnung. In der Zukunft werde ich mich bemühen, die von Ihnen praktizierte Arbeitsweise einem breiten Publikum näher zu bringen. Ihre Leistung ist diesen Aufwand auf jeden Fall wert.

Mit freundlichen Grüßen,
Chen De-Sheng

Mitglied des Piratenpartei-Ortsvereins Taipei,
des Deutsch-Taiwanischen Studienkreises,
sowie des 1. FC Taiwansinn e.V.

PS: Weitere Dankesschreiben an das Verkehrsministerium für die Planung garantierter Staus und an das Parlament für die einmal wöchentlich dort stattfindenden Schlägereien werden mit separater Post verschickt.

So, heute genau einen Monat nach unserer Hochzeit habe ich endlich mal die Zeit gefunden ein klein wenig über diesen Tag zu berichten und mit ein paar Fotos zu bereichern. Für alle diejenigen, die etwas über die rechtlichen Voraussetzungen einer Heirat und die damit verbundenen Visumsregelungen in Taiwan erfahren möchten werde ich zu einer anderen Zeit auch noch etwas schreiben.

Wir haben also am 11. Februar 2007 um 11 Uhr vor dem Bezirksgericht in Banqiao, Taipei County geheiratet. Der Morgen verlief eigentlich unerwarteterweise reibungslos. Wenn man längere Zeit in Taiwan lebt, gewöhnt man sich ja eigentlich daran, dass gerade Dinge die ein wenig organisatorische Planung und Pünktlichkeit erfordern, meistens voll in die Binsen gehen. Sei es durch Verkehrsstau, Taifun, Erdbeben, Verschlafen, zu kaltes Wetter oder einfach keine Lust. Aufgrund dieser Erfahrung war dann die erste wichtige Frage des Tages, ob denn unser Fahrer Bo zur richtigen Zeit, d.h. etwa eine Stunde vor der Trauung bei uns vorbei und uns abholen kommen würde. Natürlich bat ich vorher darum, doch noch eine halbe Stunde früher als eine Stunde vor der Trauung vorbeizukommen und so kam er dann für diese Zeit zwar 20 Minuten zu spät, aber ja eigentlich doch 10 Minuten zu früh…..

Wir kamen also dann auch unerwarteterweise pünktlich vor dem Bezirksgericht in Banqiao an, wo überraschenderweise auch schon Cindys Eltern und eine Reihe von Freunden auf uns warteten. So etwas ist vorher noch nie passiert! Irgendwie kam mir in diesem Moment der Gedanke, dass heute wohl wirklich ein ganz besonderer Tag sein müsste. ;) Es ging dann durch einen kleinen Park in ein Nebengebäude des Gerichts, wo gerade noch die 10 Uhr Trauungen im Gange waren. Wir haben aber nicht sehr viel davon mitbekommen, da wir gleich zusammen mit den Trauzeugen, den Brauteltern, in ein Büro und dort ganz viel unterschreiben und stempeln mussten. Leider war es dort so voll und hektisch, dass keine Fotos davon existieren, aber so spannend war es auch nicht, in etwa so, als ob man sich eine Leihkarte für die Bücherei ausstellen lässt. Es galt insgesamt 4 Heiratsurkunden auf Chinesisch und 3 Heiratsurkunden auf Englisch zu unterschreiben und mit dem persönlichen Namensstempel zu siegeln. Dann wurden die Angaben auf den Heiratsurkunden noch einmal genau mit den vorgelegeten Ausweisen verglichen und diesmal sogar wirklich genau: Buchstabe für Buchstabe, Zahl für Zahl, Seite für Seite, zwei Mal. Als das dann erledigt war, konnte es also losgehen:

hoch1

Da war sie also, die Richterbank und das Urteil stand schon lange fest: Lebenslang!

hoch2

Und trotzdem hatten die Verurteilten Grund zum Lachen.

hoch3

Der “Richter” nicht, aber das war ja auch nicht seine Aufgabe.

Die ganze Zeremonie begann damit, dass wir alle, Brautpaare, Gäste und Fotografen irgendwo rum standen. Etwas Ordnung gab es dann, als jeder Heiratswillige seinem Namen nach auf Anwesenheit hin befragt wurde. Ach ja, ich sollte erwähnen, dass wir in einer Massenzeremonie getraut wurden, eine für Taiwan standesamtlich durchaus normale Methode, an der neben uns noch neun weitere Paare (ein zehntes ist nicht erschienen….wohl nochmal Glück gehabt ;)) teilgenommen haben. Es war natürlich nicht zu vermeiden, dass bei der Gelegenheit und auch Schwierigkeit der Namensnennung in meinem Fall eine besondere Erwähnung der Anwesenheit eines unter den heiligen taiwanischen Flaggen heiratswilligen Ausländers kommen musste.

hoch4

Gelacht haben wir trotzdem. ;)

Nachdem wir alle in Reih und Glied aufgestellt wurden, sprach der Standesbeamte kurz über die rechtlichen Begebenheiten der Eheschließung, die Wichtigkeit der Heiratsurkunden und so weiter. Ich habe ihn im Wesentlichen ja auf Chinesisch verstanden, aber nicht nur mir ist aufgefallen, dass er seinen Text eigentlich mehr runternuschelt als klar und deutlich ausspricht, ein Tonband hätte es an dieser Stelle auch gebracht. Dann ging es weiter mit der alles entscheidenden Frage. Wir waren Paar Nummer 8 (ha…die Glückszahl !), ich hatte also noch genügend Gelegenheiten herauszufinden, was jetzt genau geantwortet werden sollte. Bei einem Bekannten war es 我要, bei uns war es 我願意, was im Prinzip dasselbe ist, aber im Ausdruck noch etwas stärker. Ich hatte mich schon so gefreut, die ganze Zeremonie komplett auf Chinesisch ver- und überstehen zu können, als ich ihm besagtes 我願意 laut und deutlich, für alle verständlich und in der Betonung natürlich wie immer perfekt zurief, als ich an der Reihe war. Und da fängt er doch damit an, dass er mich das Ganze wegen der Rechtssicherheit nochmals auf Englisch fragen müsste, immer diese Diskriminierung! Dabei ist Englisch genau so eine Fremdsprache für mich wie Chinesisch auch. Da lernt man jahrelang Chinesisch und wird alleine nur von Rechtswegen bei seiner eigenen Hochzeit doch auf Englisch gefragt, Taiwansinn! Naja, doppelt hält besser. ;) Ok, auch das war geschafft, Leute haben geklatscht und alles war gut.

hoch5

Es ging weiter mit dem dreimaligen 鞠躬, dem Verbeugen der frisch gebackenen Eheleute voreinander.

hoch6

Sowie dem Austauschen der Eheringe.

hoch7

Und der Inempfangnahme der Heiratsurkunden.

So das wars. Herzlich Willkommen im Hafen der Ehe und viel Glück fürs Leben! Häh, wie jetzt?! Da fehlt doch noch was:

hoch8

Ok, jetzt hätten wirs. ;)

hoch9

Begrüßen Sie hiermit 陳先生 und 陳太太 oder auch Herrchen und Frauchen (…auf diesen Witz hab ich Jahre gewartet !!).

Wir waren die nächsten paar Minuten noch so sehr damit beschäftigt mit jedem unserer anwesenden Freunden ein bis zwölf Fotos zu machen, dass ich gar nicht bemerkt habe, dass alle anderen Brautpaare binnen zwei Minuten den Saal verlassen haben. Auf einmal stand nur noch unsere Gesellschaft da und somit gab es endlich auch mal etwas Platz um natürlich

hoch10

den Brautstrauß zu werfen (sogar zwei Mal, wir hatten irgendwie zu viel davon)

hoch11

und natürlich das obligatorische “Ich war dabei” Foto zu machen.

Weiter gehts im nächsten Teil. ;)

Hochzeit in Taiwan (Feier)

Gleich danach ging es wieder zurück in die Autos, denn unser Raum im Restaurant war für 12.30 Uhr gebucht und wir mussten noch nach Taipei fahren. Und wieder kamen erstaunlicherweise praktisch alle zur selben Zeit am selben Ort an, richtig unheimlich. Ach, jetzt fällt es mir gerade auf. Leider gab es kein Hupkonzert, was wir bei Fahrten von einer Hochzeit zu Hause in Deutschland ja gut genug kennen. In Taiwan würde es ja aber eh keinen interessieren, weil Hupen sowieso normal ist.

Wir hatten uns im Vorfeld für ein Hong Kong Restaurant entschieden, jetzt nicht unbedingt aus Vorliebe zu Hong Kong, aber das Essen war sehr gut, der Raum genau passend und das Restaurant gut zu erreichen und letzteres kann manchmal in Taipei ein Problem sein.

hoch12

Zwar wurde vergessen, meinen Namen mit auf die Speisekarte zu schreiben, aber ich hatte ihnen meinen chinesischen Namen auch vorher gar nicht gesagt. ;)

hoch13

Dafür war das Essen wie erwartet hervorragend, obwohl wir beide nicht wirklich viel Gelegenheit hatten etwas zu essen, denn die meiste Zeit hieß es nur

hoch14

Hoch die Gläser, weg mit dem Wein!

Damit läuft es nach einem ganz bestimmten Plan. Zuerst gratuliert der anwesende Familienälteste und es geht so weiter bis zu den jüngsten Familienmitgliedern. Danach kommen die Freunde und Bekannten. Das war dann der erste Teil. Teil Zwei besteht aus dem gleichen Spielchen, nur dieses Mal vom Brautpaar als Zeichen des Dankes ausgehend, wieder vom Familienältesten ausgehend zu den jüngsten Familienmitgliedern und zu den Freunden und Bekannten. Auf diese Weise kann man schon locker eine Kiste Wein leer machen und die Zeit geht dabei auch sehr schnell rum. Immer wenn wir von unseren Weinausflügen wieder zurück an unseren Tisch kamen, war das gerade zuvor angebrochene Essen auch schon wieder weggeräumt.

hoch15

Und mit halbleerem Magen muste ich dann auch noch schwere Gewichte stemmen. ;)

hoch16

Ein “Ich war dabei” Foto durfte natürlich auch nicht fehlen.

Und dann war es wirklich so, dass was ich nie glauben wollte. Als der erste sich fertig machte zu gehen, zogen sich binnen drei Minuten auch fast alle anderen an und machten sich bereit die Feier zu verlassen. Geistengegenwärtig und in schlimmer Vorahnung hatte ich natürlich kurz zuvor noch ein halbes Dutzend Bier bestellt und darauf bestanden, dass es auch bitte schön auch ausgetrunken wird, mit zwei anwesenden Deutschen jetzt keine große Aufgabe, aber so konnte man noch ein bißchen mehr Zeit herausschlagen. ;)

Im kleineren Kreise ging dann diese Feier dem Ende entgegen und somit eigentlich auch diese Geschichte über unsere kleine Hochzeit in Taiwan.

Von wegen!

Zusammen mit Sebastian, meinem überaus geschätzten, deutschen Taiwankollegen wurde spontan der Plan entwickelt, den Abend im bereits vorher reservierten Hotelzimmer mit einer Hochzeits-Aftershow-Party zu verbringen, bei der Cindy und ich auch endlich mal was in Ruhe in Essen konnten, wir hatten nämlich beide Hunger!! Natürlich gab es keinen Alkohol mehr zu so einer späten Stunde, nur ein Getränk dass mit Bären zu tun hatte, Traubensaft und irgendwas fruchtiges. Es existieren auch Videos, sogar im Internet, aber da ich hier nochmals betonen muss, dass Alkohol absolut böse ist und ich natürlich niiiiiiiemals etwas mit Alkohol auf Video aufzeichnen lassen würde, brauchen diese Videos auch hier nicht gezeigt zu werden, sind sowieso stinklangweilig, ehrlich. ;)

Zum Schluss sollte nicht unerwähnt bleiben, dass ich über die Anzahl und Inhalte der 紅包, der roten Umschläge mit Geld als Geschenk, ziemlich überrascht war. Es war weitaus mehr als ich vorher je gedacht hätte, wirklich eine Riesenüberraschung und auch etwas ärgerlich nicht doch noch mehr Leute eingeladen zu haben. ;)

Dieses war also die erste von mindestens zwei Hochzeitsfeiern, zu Hause in Deutschland wird es zu gegebener Zeit auch noch eine weitere geben. Obwohl sie für chinesische Verhältnisse recht klein war, so hatten wir und anscheinend auch die Gäste großen Spaß daran und egal wie es war, das Geld hätte ich so oder so behalten. ;)

Da kommt noch mehr….

cindydennis

Programmhinweis

C & D 11.02.2007

shuangxi

Die Kenner wissen schon, was gemeint ist. ;)

Demnächst mehr auf diesem Kanal….

Erdbeben

Vor zwei Tagen wurde Taiwan von zwei Erdbeben der Stärken 6,7 und 6,4 sowie in den folgenden Stunden von zahlreichen Nachbeben erschüttert.

Ich war zu diesem Zeitpunkt gerade auf der Straße auf dem Weg nach Hause und habe nichts davon mitbekommen. Cindy erzählte mir, dass die beiden Erdstöße bei uns zu Hause in Xinzhuang, Taipei County, Nordtaiwan deutlich zu spüren gewesen seien, allerdings ohne größere Auswirkungen gehabt zu haben.

Nach ersten Berichten im Radio und im Fernsehen wurden auch aus dem Süden Taiwans, der wesentlich näher am Epizentrum der Erdbeben lag, keine wesentliche Schäden oder Verletzte gemeldet. Auch eine nach den Erdbeben ausgegebene Tsunamiwarnung für die Ostküste der Philippinen wurde nach einigen Stunden wieder aufgehoben.

Einen Tag danach, also gestern, wurden dann aber doch die Auswirkungen deutlich. Es gab zwei Todesopfer und 46 Verletzte, in Hengchun im Kreis Pingtung ganz im Süden Taiwans stürzten drei Häuser ein und es kam zu insgesamt 14 Feuern. Darüberhinaus gab es an zahlreichen Gebäuden kleinere Schäden wie kaputte Fensterscheiben oder Risse in der Fassade.

Nun, das ist eine Bilanz, die es angesichts anderer Ereignisse auf dieser Welt nicht einmal auf die Titelseite einer mittelgroßen Zeitung schafft und das ist auch gut so.

Mehr Aufmerksamt erregte da schon eher die Tatsache, dass bei den Erdbeben auch insgesamt sieben vor der Küste Taiwans entlanglaufende Unterseekabel beschädigt wurden, welches die Kommunikation über Telefon und Internet in ganz Asien gestern sehr einschränkte bis ganz unmöglich machte.

Auch davon habe ich allerdings nichts mitbekommen. Bei mir lief alles vor, kurz nach und auch sonst wie gewohnt, aber es gibt viele Andere, die seitdem massive Probleme mit dem Internet haben und in den Nachrichten wird es auch berichtet. Die Behebung der Schäden wird schätzungsweise zwei bis drei Wochen dauern.

Alles andere lief gestern übrigens ganz dem normalen Alltag nach ab. Diese Art von 6.x Erdbeben sind für Taiwan keine Seltenheit, es kommt nur halt immer drauf an, wo sich das Epizentrum genau befindet. Angesichts des großen Bebens vom 21.9.1999 herrscht verständlicherweise bei jedem neuen Erdstoß erstmal eine gewisse Nervosität vor, die aber Gott sei Dank bisher auch immer wieder schnell verflogen ist.

Weihnachten – Fiesta Latina

Da haben wir also mal wieder Weihnachten, mittlerweile mein drittes in Taiwan in Folge. Ich hatte ja mal irgendwann glaube ich schon mal geschrieben, dass dieses Kitsch-Weihnachten hier in Taiwan ziemlich nervig sein kann. Im ersten Jahr war es noch erschreckend fasziniert und im zweiten Jahr hatte ich gehofft, dass es vielleicht besser als das erste werden würde, naja es wurde eher noch bunter, lauter und kitschiger.

Natürlich möchte man Weihnachten aber auch nicht alleine zu Hause verbringen und so entschieden sich Cindy und ich die Einladung einer meiner Deutschstudenten (…wie sich das anhört! ;)) zum Essen anzunehmen. Das Gute dabei: Bei diesem Treffen kam es zu Begegnungen zwischen Ausländern verschiedener Nationen, die alle in Taiwan leben mit einem Schwerpunkt auf Lateinamerika.

So war die vorherrschende Sprache dann auch Spanisch, welches ich erstaunlicherweise noch immer teilweise passiv verstehen kann, aber natürlich wurde am Tisch auch Chinesisch und Englisch gesprochen. Nur mit Deutsch hatte ich an diesem Abend außer für Cindy keine Verwendung, aber das ist in Taiwan ja keine Seltenheit.

Wir waren übrigens in einem italienischen Restaurant, in das wir glücklicherweise durch ein paar Beziehungen untergekommen sind, nachdem unsere ursprüngliche Reservierung bei TGI Friday´s geplatzt ist. Bei Pizza, Pasta und Paella (…ich weiß, ist spanisch, schmeckte aber trotzdem :)) haben wir dann einen angenehmen und entspannten Abend verbracht, so wie es an Heiligabend auch sein sollte anstatt mit dummen Weihnachtsmützen auf dem Kopf Party zu machen.

Auf dem Foto können wir elf zufriedene Weihnachtsfeiernde aus Taiwan, El Salvador, Honduras, Brasilien, der Dominikanischen Republik und auch Deutschland sehen. Feliz Navidad!

chr2006

Ein Tag am Meer

Naja, eigentlich Wattenmeer. Ich hatte gar nicht gewusst, dass es das in Taiwan auch gibt, aber bei einer Insel liegt es ja auch irgendwie nahe. Ich habe aber schon wieder vergessen, wo es genau war. Von Taichung aus etwa eine Stunde mit dem Auto und wenn ich mich recht erinnere war ich dort an meinem Geburtstag vor vier Jahren (!) auch schon dort, damals aber nicht im eigentlichen Watt.

watt1

Es ist wirklich ein angenehmer Kontrast zu der Großstadt, keine Hochhäuser, kilometerweite Sicht und saubere Luft. Wir sind etwa eine Stunde im Watt gewandert, bis wir dann auch an den richtigen Strand gekommen sind, mit Blickrichtung nach China, das von dort aus nicht sehr weit entfernt ist. Auf jeden Fall war es ein lohnenswerter Ausflug in das taiwanesische Wattenmeer. :)

watt2

Birthday Alaaaaarm

In den letzten Monaten habe ich so ungefähr ein Dutzend E-Mails mit der Bitte meinen Geburtstag in des Absenders Kalender einzutragen erhalten, was ich natürlich immer brav gemacht habe. Typische Dienstleister dieser Art sind Webangebote wie Birthday Reminder oder Birthday Alarm, bei denen man sich ganz schnell auch mal “versehentlich” anmelden kann, wenn man mal nicht so genau auf die ganzen Häkchen achtet. Wie auch immer, zu meinem Geburtstag vor drei Tagen hätte ich ja also von einer Flut von Glückwünschen aus allen Teilen der Welt per E-Mail getroffen werden müssen, mehr als eine kleine La Ola Welle kam aber nicht zu Stande…..

Nun bin ich nicht wirklich scharf darauf, mir von allen möglichen Leuten weltweit zu meinem 25. + 1. Geburtstag gratulieren zu lassen, die Jahre gehen ohnehin immer schneller vorbei, aber die Absender der besagten E-Mails hätte ich schon gerne gefragt, worin der eigentliche Sinn besteht, jemanden explizit um die Angabe seines Geburtstags zu bitten, ohne an diesen dann auch wirklich gratulierend tätig zu werden.

Eigentlich hatte ich ja gar nichts besonderes vor. Hatte ich im letzten Jahr noch extra zwei Torten gekauft, um in der Schule und auf der Arbeit zu feiern, habe ich mir dieses Jahr das Geld gespart. Das Gute war … in der Schule haben wir an diesem Tag unseren umgerechnet 1,75 Euro schweren All-you-can-eat Gutschein auf den Kopf gehauen und ansonsten hatte ich den Tag frei. :)

Um den Abend dennoch ein wenig feierlich zu gestalten, sind wir

bday20061

mal wieder ins Goethe eingekehrt, um richtig gut zu essen

bday200621

und zu trinken

bday200631

Lustig war es und bessere Möglichkeiten sein Geld auszugeben gibt es ja wohl kaum.

A propos Geld ausgeben. Als Geburtsgeschenk habe ich mich in diesem Jahr aus aktuellem Anlass für ein gesundheitlich wertvolles Präsent entschieden, außerdem musste mein Geburtsgeschenk an Cindy ja wieder ausgeglichen werden, so dass es ein Paar Original Birkenstock Modell New York in Größe 44 gegeben hat. Preis in Taiwan umgerechnet um die 65 Euro…..

birkenstock-ny1

Chinesische Medizin

Vor drei Wochen ist mir in Taiwan das passiert, was mir wohl früher oder später einfach mal passieren musste: Ich habe mich so richtig verletzt, so dass ich umfangreiche medizinische Hilfe benötigte. Keine Angst, an mir ist noch alles dran und es ist nichts, über was man sich ernsthaft Sorgen machen müsste, aber ein bisschen nachdenklich macht es schon. Was war passiert?

Am Samstag vor drei Wochen war ich zu einer Studentenabschlussfeier der TaiDa eingeladen, zu der ich von meiner Wohnung aus nach Taipeh fahren wollte. Leider bin ich nicht sehr weit gekommen, da ich gerade mal nach zwei Minuten Fußweg beim Heruntersteigen einer Stufe auf die Straße so unglücklich mit dem Fuß umgeknickt bin, dass im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr ging.

Ich bin derartige Missgeschicke aus meinen noch etwas sportlicheren Zeiten ja noch gewöhnt und so war mir ziemlich schnell klar, dass das leider wohl etwas Größeres sein musste. Ich habe es dann noch irgendwie die zwei Minuten zurück nach Hause geschafft (bis in den 6. Stock) und dann bei Cindy erst einmal eine kleine Panikreaktion verursacht. Die erste Maßnahme bei so was ist natürlich: EIS. Nun haben wir standardmäßig kein Eis bei uns im Kühlschrank und das einzige, was auf die Schnelle so aufzutreiben war, war nichts geringeres als ein 5kg schwerer Eisbeutel, beinahe so groß wie Cindy selbst. ;)

Das nächste Problem war dann einen geeigneten Arzt bzw. Krankenhaus zu finden, es war Samstag Mittag und die Krankenstation der Uni nicht mehr geöffnet, außerdem würde ich dort sowieso nicht freiwillig hingehen. Im Internet gibt es zum Glück umfassende Informationen über umliegende Arztpraxen und Krankenhäuser und Cindy hatte auch schon bald einen Arzt für chinesische Medizin in der Nähe gefunden. Chinesische Medizin? Jaja, westliche oder chinesische Medizin, das war jetzt die Frage. Da es mir relativ egal war, wer mir denn nun hilft, solange mir überhaupt geholfen wird, haben wir uns für die chinesische Variante entschieden.

Also vom 6. Stock die Treppe wieder herunter gehumpelt (…und dabei den Hausbesitzer dafür verflucht, keinen Fahrstuhl einbauen zu lassen), ins Taxi rein und zum Arzt gefahren. Zu dumm leider, dass dieser nicht über ein Röntgengerät verfügte, welches wohl auch in der chinesischen Medizin Einzug gehalten hat. Ein solches sollte aber gleich in einer Krankenstation um die Ecke vorhanden sein. Um die Ecke, schön und gut, mit zwei gesunden Füßen ein Kinderspiel, mit nur einem gesunden und einem mittlerweile auf doppelte Größe angeschwollenen zweiten Fuß nicht mehr ganz so erheiternd. Und das Beste: Die Krankenstation hatte zu!

Diese Erkenntnis trug dann nicht gerade zu meiner Erheiterung bei und ließ Cindy und mich zu der Entscheidung kommen, wohl doch besser in ein normales, nach westlicher Medizin behandelndes Krankenhaus zu fahren. Dort angekommen lief dann alles soweit wie aus Deutschland gewohnt, das heißt erst einmal musste ich warten. ;) Dann ging es ab zum Röntgen und danach zum Arzt, der mir versichern konnte, dass zumindest nichts gebrochen oder gerissen war. Gut zu wissen, allerdings sind Dehnungen und Verstauchungen im Allgemeinen ja noch schmerzhafter als Brüche oder Risse, zumindest ist das meine Erfahrung.

Was es gab war ein Druckverband und ein Rezept für ein paar Tabletten mit dem Hinweis auf PECH: Pause Eis Compression Hochlagern. Somit war erstmal die Erstversorgung abgeschlossen, ungefähr drei Stunden nachdem die Verletzung aufgetreten ist. Es wäre jetzt ungerecht das nach deutschen Maßstäben zu vergleichen, vor allem nicht mit meiner Heimatstadt. Dort hätte ich genau gewusst wohin ich hätte fahren müssen, hier in Xinzhuang haben wir dies aber nicht und verglichen zu Northeim ist es ja auch nur 12-mal größer…..

fuss1Was in den folgenden Tagen blieb, war die riesige Schwellung des Fußes nebst Schmerzen und absoluter Unfähigkeit den Fuß überhaupt irgendwie bewegen zu können. Schule und Arbeit war damit natürlich ausgeschlossen und nach einiger Diskussion und guten Ratschlägen habe ich mich dann doch nochmals entschlossen es mit chinesischer Medizin zu versuchen. Zitat: “Geht wirklich schneller, nur zwei, drei Tage und du kannst wieder laufen”.

fuss2Muss wohl für Ausländer nicht gelten, denn trotz Akupunktur, Reizstrom, Wärmelicht, Dampfbestrahlung, der Einnahme des bittersten Getränks auf Erden, drei Mal täglicher Einnahme eines Pulvers gegen alles und dem schmerzhaften Herumdrücken aller Stellen des Körpers, die wirklich wehtun (…schon mal die Kniescheibe schön rotieren lassen?) hat sich kein durchschlagender Erfolg erzielen lassen. Der Kommentar meines Physiotherapeuten: “Man, bei dir ist irgendwie alles kaputt!”

fuss3Mag sein, aber bislang konnte ich trotzdem noch ohne Beschwerden aufrecht laufen, was zu diesem Zeitpunkt nicht ging. Wie haben wir schließlich das Problem in den Griff bekommen? Natürlich war unser bester Freund und Helfer, der Apotheker auf der anderen Straßenseite, mal wieder der Retter in der Not. Am Mittwoch, mittlerweile waren 12 Tage vergangen, bekam Cindy nach Schilderung des Problems sechs kleine Beutel mit jeweils sechs verschiedenen Tabletten, die ich jeweils morgens und abends einzunehmen hatte. Am Donnerstagabend hatte ich das erste Mal wieder ein Gefühl der Kontrolle über meinen Fuß und am Freitagmorgen, oh Wunder, konnte ich wieder auf zwei Beinen stehen und schon wieder etwas herumlaufen!

Ein Teufelszeug muss dieser Pillenmix sein, deswegen hab ich Cindy losgeschickt und noch mal Nachschub holen lassen. Natürlich waren die Beschwerden nicht schlagartig verschwunden, aber ich konnte wieder einigermaßen laufen und viel wichtiger noch, wieder zur Schule und zur Arbeit gehen, welches ganze zwei Wochen einfach nicht möglich war.

Meine Behandlung nach chinesischer Medizin habe ich dennoch abgeschlossen, da sie für meinen Fuß zwar nicht viel gebracht hat, es meinem Rücken aber dadurch besser ging. ;)

fuss4Die ganze Aktion hat mal so kurz überschlagen umgerechnet etwa 150 Euro gekostet, also Behandlung und Röntgen im Krankenhaus, Medikamente, Behandlung nach chinesischer Medizin und Transportkosten. Bis auf letzteres werde ich alles von der studentischen Unfallversicherung zurückerstattet bekommen. Als Fazit kann man wohl sagen, dass es schlimmer hätte kommen können, angesichts der Dauer meines Ausfalls hoffe ich aber, dass so etwas nicht so schnell wieder passiert.

Ältere Artikel »

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.